Radarmessungen im Garten – Artikel zur Bodenradaruntersuchung in Hachborn erschienen

Hessen Archäologie 2017

Titelblatt der Fachzeitschrift Hessen Archäologie des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen

Ansicht Messfläche Hachborn

Ansicht der Messfläche der Bodenradarprospektion über den unterirdischen Resten des Hauses Hachborn bzw. des früheren Prämonstratenserklosters in Hachborn im Landkreis Marburg-Biedenkopf

Ausschnitt Rudolphiplan

Ausschnitt aus dem Abriß des hochfürstlichen Vorwerks Hachborn von Herrmann Rudolphi, 1698. StA MR: Karten. B 851

Interpretation Bodenradar Hachborn

Interpretierende Umzeichung der Bodenradarprospektion des Klosters Hachborn.

Sebastian Pfnorr/ Christa Meiborg, Haus Hachborn – wiederentdeckt. Bodenradarmessungen auf dem Gelände der herrschaftlichen Burg in Hachborn/Ebsdorfergrund. Hessen-Archäologie 2017 (2018) 211-215.

Geschichte

Bisher war das Aussehen des verschwundenen Hauses Hachborn bzw. des früheren Prämonstratenserkloster nur anhand einer Karte aus dem Jahr 1698 (Ausschnitt aus dem Abriß des hochfürstlichen Vorwerks Hachborn von Herrmann Rudolphi, 1698. StA MR: Karten. B 851) überliefert worden. Die vermuteten Reste der vierflügeligen Anlage, liegen heute in Gartenarealen im Zentrum der Ortschaft Hachborn.

Im Jahre 1186 wurde das Prämonstratenserkloster zunächst als Doppelstift angelegt, aber dann spätestens im 14. Jahrhundert als reines Frauenstift weitergeführt. Unter Landgraf Philipp wurden ab 1526 alle Klöster säkularisiert, so auch das Hachborner Stift, wobei die dort lebenden Nonnen abgefunden und die Niederlassung aufgelöst wurde. Bereits 1527 verkaufte der Landgraf das ehemalige Stift mit allem Zubehör und allen Verpflichtungen. Von 1545 bis 1601 wurde dann die Familie Scheuernschloß mit dem Haus Hachborn belehnt. Diese reparierten die ehemaligen Stiftsgebäude und bauten den Gutsbetrieb aus. Unter Philipp Ludwig von Baumbach, der 1602 die Anlage als Lehen erhielt, wird der Umbau zu einem Schloss weiter vorangetrieben. Im Rahmen dieses Umbaus blieb das Wohngebäude (Ostflügel) der Spätgotik oder Frührenaissance erhalten, während der Saalbau (Südflügel) und der „Langer Bau“ (Westflügel) neu errichtet wurden. Auch der Nordflügel mit Fachwerkobergeschossen blieb als Wirtschaftsbau bestehen. Im dreißigjährigen Krieg wurde Haus Hachborn beschädigt, aber um 1776/77 noch als „herrschaftliche Burg“ bezeichnet. Schließlich aber wurde im Jahr 1789 das frühere Schloss und Frauenstift von einer Genossenschaft aus Hachborn auf Abbruch gekauft und die Grundstücke aufgeteilt. Oberirdisch erhalten bzw. zugänglich ist heute nur ein gewölbter Keller des Westflügels sowie spärliche Relikte der früheren Klostermauer.

Prospektion

Für eine denkmalpflegerische Beurteilung im Zuge einer geplanten Baumaßnahme sollte eine Bodenradarprospektion Aussagen zur Lage, Struktur, Ausdehnung und zum Erhaltungszustand der ehemaligen Gebäude ermöglichen. In den Ergebnissen der Radaruntersuchung können ab einer mittleren Tiefenlage eindeutig lineare Strukturen erhöhter Reflexionsenergie erkannt werden, die als Mauer- und Fundamentreste zu deuten sind (dunkelgrün bis tiefdunkelgrün). Sie weisen eine Breite von 1 bis 2 m auf und lassen sich auf einer Länge von bis zu 36 m verfolgen. Die detektierten Strukturen verhalten sich parallel und orthogonal zu den Mauern des noch erhaltenen Gewölbekellers, was für die direkte Zusammengehörigkeit der Befunde zu einem Gebäudekomplex spricht, zumal die im westlichen Teil der Untersuchungsfläche befindlichen Reste einen direkten Anschluss an den Keller vermuten lassen. Da sich die meisten Mauerreste über mehrere Tiefenscheiben hinweg, von 64 cm bis zu 148 cm unter der heutigen Geländeoberkannte, verfolgen lassen, ist von einem guten Erhaltungszustand der Steinbefunde unterhalb des modern gestörten Oberbodens auszugehen. Die auf der kleinen Messfläche identifizierten Strukturen lassen sich zu einem vierflügeligen Baukomplex mit rechteckigem Innenhof ergänzen, wie er auch auf dem Plan von 1698 zu erkennen ist. Besonders deutlich zeichnet sich der Südflügel (Saalbau) ab, von dem auch die Südwestecke erfasst worden ist. Das Wohngebäude (Ostflügel) lässt sich dagegen nur durch wenige breite Fundamentreste fassen. Vom Nordflügel (Wirtschaftsbau) sind die westliche und die südliche Mauer und im Osten vermutlich Bereiche eines massiveren Fundamentes unvollständig erfasst worden. Im Westen bildet das auf 4 m Länge nachweisbare Mauerstück eine Flucht mit der westlichen zum Innenhof gelegenen Mauer. Bei der südlichen Mauer handelt es sich ebenfalls um die zum Innenhof gewandte Gebäudewand, die auf 15 m Länge nachzuverfolgen ist bevor sie aus der Untersuchungsfläche im Osten herausläuft. Der ungefähr zur Hälfte nachgewiesene Westflügel (Langer Bau), scheint in direkter Verlängerung zu den Mauern des erhaltenen Gewölbekellers zu liegen. Die flächigen Reflektoren, die den gesamten Innenraum des westlichen Gebäudeteils füllen, sprechen für eine Verfüllung und Verdichtung dieses Teils des Kellers.

Trotz der kleinen Messfläche konnten die Strukturen der mittelalterlichen / neuzeitlichen Bebauung des Hauses Hachborn bzw. früheren Klosters eindeutig identifiziert werden. Anhand der Resultate ist die genaue Verortung der Baureste möglich. Zudem liefern sie Hinweise zur räumlichen Ausdehnung und Binnengliederung des vierflügeligen Baukomplexes. Besonders in der Kombination mit den Archivalien bieten die Prospektionsergebnisse somit eine zuverlässige Grundlage für die denkmalpflegerische Beurteilung.

Dank

Unser herzlicher Dank geht an Frau Dr. Christa Meiborg (hessenArchäologie des Landesamtes für Denkmalpflege, Marburg) für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Untersuchung und für die Erstellung des Artikels zusammen mit Herrn Sebastian Pfnorr M.A. (Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR).

 

 

Bearbeitet von Norbert Buthmann M.A., Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR

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