Mittelalterliche Töpferei unter der Autobahn – Beitrag zur geophysikalischen Prospektion der Töpfereiwüstung Baldersdorf erschienen:

Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE

Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie 2018 Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE

Untersuchungsfläche Magnetometerprospektion in Kirtorf-Lehrbach

Ansicht der Untersuchungsfläche in Kirtorf-Lehrbach von Nordwesten (Foto: Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR).

Graustufendarstellung der Magnetometerprospektion Kirtorf Lehrbach

Graustufendarstellung der Magnetometerprospektion Kirtorf Lehrbach

Archäologische Interpretation der Magnetometerprospektion Kirtorf Lehrbach

Archäologische Interpretation der Magnetometerprospektion Kirtorf Lehrbach

N. Buthmann/ A. Thiedmann, Magnetometerprospektion in einer Töpfereiwüstung bei Lehrbach. Vogelsbergkreis: Baldersdorfer Töpferöfen kommen unter die Räder. Hessen-Arch. 2018, 150-152.

Die Autobahn kommt

In den 1960er-Jahren wurde die mittelalterliche Siedlung Baldersdorf, die seit 1332 in den Schriftquellen belegt ist, am Mittellauf des Gleen-Baches lokalisiert. Damals wurde umfangreiches Keramikmaterial geborgen sowie diverse Ofenstandorte anhand von Geländemerkmalen und Fundkonzentrationen dokumentiert. Die Keramik datiert vor allem in das 12.–13. Jahrhundert und belegt somit die Existenz der Siedlung schon vor der schriftlichen Überlieferung. Möglicherweise liegen aber die Anfänge der Siedlung in der Karolingerzeit.

Nun wird durch den Neubau der Bundesautobahn A49 von Kassel zur A5 bei Gemünden die Wüstung Baldersdorf zumindest in Teilen zerstört werden. Bis dahin sollten durch eine geophysikalische Prospektion und eine anschließend geplante Ausgrabung noch möglichst viele Informationen zu dem Töpferort gewonnen werden. Mittels Magnetometerprospektion sollten dabei insbesondere die Standorte der Töpferöfen und zugehöriger Abwurfhalden erfasst werden.

Ergebnisse der Prospektion

Für eine denkmalpflegerische Beurteilung im Zuge der geplanten Baumaßnahme sollte die Magnetometerprospektion Aussagen zur Lage, Struktur und Ausdehnung der Befunde des einstigen Töpfereistandortes ermöglichen. Auf einer Gesamtfläche von etwa sechs Hektar wurden bei der Prospektion vor allem großflächige geologische Phänomene erfasst. Trotz dieses magnetisch unruhigen Hintergrundes sind zahlreiche magnetische Anomalien sehr hoher Messwerte zu erkennen, die auf thermische Prozesse zurückgehen. Die erfassten starken Anomalien zeichnen sich zudem durch ein vergleichsweise einheitliches Erscheinungsbild aus. Es sind zumeist langovale Strukturen, die bis zu 8,5 m lang und bis zu 3,5 m breit sein können. In Anbetracht der sehr hohen Messwerte, der Form und der Größe dieser Strukturen sowie vor dem Hintergrund der Lesefunde wurden diese Strukturen als Reste von Töpferöfen angesprochen. In Analogie zu anderen Standorten und angesichts der ersten Ergebnisse der aktuellen Ausgrabung in Lehrbach können die Öfen als liegende, in den Hang gebaute Anlagen gedeutet werden, die wahrscheinlich aus einem Feuerungsraum im Süden und einem Brennraum im Norden bestanden, eventuell mit einer südlich vorgelagerten Arbeitsgrube. Auf dem Areal in Lehrbach ließen sich mittels Magnetometerprospektion mindestens neun Töpferöfen sicher nachweisen. Weitere Anomalien geben zusätzliche Hinweise, so dass insgesamt mit bis zu 20 Ofenstandorten gerechnet werden muss. Diese hohe Anzahl darf als Beleg für einen längeren Produktionszeitraum gewertet werden. Im Umfeld der Töpferöfen zeichnen sich zudem begrenzte Bereiche stark erhöhter Messwerte ab, die vermutlich auf Abwurfstellen mit Produktionsabfällen, Fehlbränden und Resten älterer Öfen zurückgehen. Die Öfen und Halden liegen innerhalb annähernd rechteckiger Areale, die eine kleinteilige magnetische Unruhe aufweisen und als Aktivitätszonen gedeutet werden können.

Anhand der Prospektionsergebnisse konnten im Vorfeld der Ausgrabung bereits die wesentlichen Strukturen der Töpferei dokumentiert und als Basis für die Planung und bei der Durchführung der Ausgrabung verwendet werden.

 

Dank

Unser herzlicher Dank geht an Herrn Dr. Andreas Thiedmann (hessenArchäologie des Landesamtes für Denkmalpflege, Marburg) für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei der Untersuchung und bei der Erstellung des Artikels).

 

 

hessenARCHÄOLOGIE 2018 - Jahrbuch für Archäologie und Paläontologie in Hessen

Rund 75 Autoren bieten in der hessenarchäologie 2018 einen facettenreichen, zeitnahen Überblick zu archäologischen und paläontologischen Aktivitäten des Jahres 2018 in Hessen. Die behandelten Bodendenkmäler reichen zeitlich vom Erdaltertum – lange vor der Anwesenheit des Menschen – bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges.

 

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